Donnerstag, 12. Februar 2026

Tag 3+4+5: eine lange Katzengeschichte

Mittwoch Vormittag:

Ich liege in meinem Bett mit zwei Katzenbabies auf dem Bauch und warte auf eine Nachricht von der Frau, die sie übernehmen wird.



Was ich Sonntag Abend andeutete, ließ mir keine Ruhe mehr. Auf meinem langen Rückmarsch hatte ich kurz vor meiner Unterkunft ein Piepsen und Jaulen aus der Dunkelheit gehört, auf dem sandigen Gehweg einer belebten Straße. Niemanden sonst schien das zu interessieren, oder ich hab bessere Ohren.

rechts in der Müll-Ecke ...


Ich hätte ja einfach weiter gehen können, aber ich traf die weitreichende Entscheidung, nachzuschauen. Neben einer Schutt-Ecke im Staub lagen zwei winzige Kitten halb übereinandergestapelt und ganz kläglich maunzend!

Natürlich weiß ich, dass Katzenmütter ihre Kinder auch mal stundenweise allein lassen ... aber an so einem Ort?

Naja, wenigstens der Mutter kann ich ja Futter hinstellen, dachte ich, aber in den kleinen Läden in meiner Straße gibt es sowas nicht, also besorg ich das morgen im Auchan.

Meine Vermieterin war der Meinung, die Katzen hier kennen kein Katzenfutter, sondern nur Fisch und Essenreste, und hat mir für teuer Geld eine Tüte fertiggemacht. Damit bin ich dann eine Stunde später wieder zu der Stelle hin. Sie lagen immer noch da, viel zu exponiert, also hab ich aus Steinen einen "Laufstall" um sie herum gebaut und das überhaupt nicht katzengerechte Essen in der Mitte platziert. 




Die Kleinen hatten kein Interesse daran. Klar, sie wollten Milch. Ich stand anderthalb Stunden Wache, aber keine einzige andere Katze ließ sich blicken. Währenddessen hab ich versucht, die hiesige "Tierschutzliga" (LPA) zu kontaktieren, ohne Erfolg.

Ich bin dann zurück in meine Unterkunft und hab mir viele Sorgen gemacht. Ein Streunerhund verspeist die doch zum Nachtisch! Und der Nachtwind kühlt sie aus! Und die Krähen ...

Am nächsten Morgen - vorgestern - bin ich in den Supermarkt gelaufen und habe Katzenfutter besorgt. Groß ist die Auswahl nicht.

Das ist die komplette Haustierecke:


Damit bin ich dann wieder zu der Stelle hin, und die Babies lagen immer noch da, auf den zweiten Blick auch noch am Leben, bewegten sich kaum.

In der Straßenküche nebenan meinten sie, jaja, hier laufen viele Katzen rum, die wohnen da hinter der Mauer. Ich hab bei ihnen einen Kaffee getrunken, aber Katzen sah ich nicht. 


Dann kam ein junger Mann hinzu mit handfesten Infos. Die Babies hat er dort hingelegt, weil er sie woanders weiter die Straße runter an einem noch schlimmeren Ort gefunden hatte. Und sie bräuchten ja Milch. Und dann ist er tatsächlich mit seinem Motorrad los und hat so ein Mini-Tetrapak Milch (Kuhmilch leider) besorgt und versucht, es den Kleinen einzuflößen.

Dann hat er sie aus dem Laufstall genommen und hinter ein Brett gelegt und noch ein Brett drüber, damit niemand drankommt, zum Schutz, wie er meinte.

Das überleben die keinen weiteren Tag, war ich mir sicher.

Ich muss irgendwas tun! 

Also hab ich die Katzen mitgenommen!

Der junge Mann, der da wohl in der Nähe arbeitet, hat geholfen, die kaputte Plastikbox vom Müll mit alter Pappe auszulegen, da haben wir sie reingesetzt, ich hab mein Tuch drübergelegt, und damit bin ich in mein Zimmer marschiert. Meine Vermieterin war nicht da, puh, wie bringe ich ihr das bei ... ?

In der Kiste wohnen sie immer noch, allerdings schaffen sie es mittlerweile rauszuklettern!


Ich habe Tierärzte gegoogelt, natürlich alle weit weg, und bin losgelaufen. Der erste war gar kein Tierarzt, sondern nur ein Tierbedarfsladen, den ich auch erst nach mehrmaligem Vorbeilaufen erkannt habe. Dort hatten sie sogar Nuckelfläschchen, aber keine Aufzuchtmilch. Dann bin ich weiter zur "Tierklinik", und auch dort gab es keine Aufzuchtmilch - ich solle stattdessen die für Menschenbabies unter 1 Jahr nehmen, die gibt es in jeder Apotheke. Saugfläschchen haben sie leider nicht da. -Darf ich mit den beiden denn für eine ärztliche Untersuchung vorbeikommen? -Ja, morgen früh um 10. -Ok, morgen um 10 bin ich da ... wenn sie dann noch leben.

Also wieder zurück zum ersten Laden, das Saugfläschchen mitnehmen. Und in der Apotheke Babymilchpulver kaufen.

Auf der Kommode wurde eine provisorische Fütterungsstation eingerichtet.


Zum Glück hab ich ein Mini-Nähzeug dabei, hatte also eine Nadel, um ein Loch in den Sauger zu machen. Und das Einwegbesteck vom Flug war jetzt auch nützlich.

Warmes Wasser gibt es nicht, muss also kalt gehen.

Dosierung geht auch nur nach Gefühl. Aber Hauptsache, sie kriegen erst mal was in den Magen. Nach einigen Startschwierigkeiten klappt die Nuckelei mittlerweile ganz gut. Ich hab das ja auch noch nie gemacht.


Aber insgesamt lassen die Voraussetzungen hier bei mir zu wünschen übrig. Kein heißes Wasser, keine Handtücher, Klopapier muss ich selbst kaufen. Also müssen meine ohnehin abgezählten Shirts als Unterlagen herhalten.

Zuhause wäre das alles kein Problem, aber auf einer Rucksackreise sind die Umstände für eine Flaschenaufzucht denkbar schlecht.

Ich muss also jemanden finden, der hier wohnt und die Kitten unter besseren Bedingungen versorgen kann. Ich google mich dumm und dämlich - in meiner Verzweiflung will ich mich sogar bei Facebook registrieren, werde aber nach einem langatmigen Verifizierungprozess abgelehnt (liegts am Standort?).

In öffentlichen Facebookgruppen entdecke ich Telefonnummern und schreibe wildfremde Leute an. Über mehrere Ecken bekomme ich die Telefonnummer einer Frau, die gegen Bezahlung Kitten aufzieht. Sehr gut, das ist eine Chance!

Ich warte aber noch den Tierarzttermin ab - die haben sicher auch noch Ideen und Kontakte.

Hoffentlich bringe ich sie durch die Nacht.

(Zwischendurch bekomme ich nichts als Zuspruch von zuhause und aus dem Katzenforum. Danke!)

+++++

Ja, wir haben die Nacht geschafft, mit wenig Schlaf und viel Geschrei. Keine Ahnung, durch wie viele Wände das zu hören war.

Die Herrschaften hatten fast stündlich Hunger! Der Intervall wurde mit der Zeit zum Glück etwas größer.

(Meiner Vermieterin hatte ich übrigens schon am Abend gebeichtet.)

Am Morgen - gestern - hab ich meinen offenen Rucksack bäuchlings aufgesetzt und die beiden da reingesetzt und bin die 40 min losmarschiert zur Bombo Tierklinik. Ich war überpünktlich und wartete und wartete ...

Der Arzt kam gegen 11 ...

Er war sehr nett, hat eine Einschläferung sofort vom Tisch gewischt (es war ja ein bisschen meine Befürchtung, dass vielleicht alles zu spät ist), sondern fand ihren Zustand ok. Da ich am Tag vorher einen Floh gesehen hatte, gab es eine Portion Flohpulver ins Fell. In meiner Müdigkeit und Aufregung habe ich die wichtigsten Fragen völlig vergessen (geschätztes Alter wirklich 3 Wochen? Geschlecht? Gewicht?).

Und das Beste: Der Arzt kennt wieder mal jemanden, der jemanden kennt. Ich solle mich doch bitte bei Rayan melden.

Für den Rückweg wollte ich ein Taxi nehmen, aber die verlangten Mondpreise, und so bin ich wieder gelaufen, anstrengend.

Ich habe Rayan angeschrieben, und der verwies mich an eine Frau, die ich nur unter ihrem Whatsappnamen "Lamiaow" kenne. Und sie ist bereit, die Kitten zu nehmen. Sie hat selbst 5 Katzen und hatte wohl neulich schon eine Flaschenaufzucht. Sie hat mir auch eine Telefonnummer gegeben, wo ich richtige Aufzuchtmilch bekomme und mir liefern lassen kann, das hab ich dann gestern noch gemacht, und seitdem sieht die Fütterungsstation wenigstens korrekt aus ...


Damit haben wir auch die zweite fast schlaflose Nacht überstanden.

Und jetzt warte ich, dass sie sich meldet, und hoffe inständig, dass sie sich das nicht noch mal anders überlegt.

Plan B wäre noch die Frau, die das gegen Bezahlung macht.

Mein Zimmer hab ich bis Freitag mittag verlängert - vielleicht schaff ich es ja doch noch irgendwann auf diese Fähre ;)

Hier noch ein letztes Video:

https://youtube.com/shorts/-sbuu_R6lc8?si=eA7MkzOl7i7MfZeE

(Auf meinem Bauch haben sie immer nur leise und niedlich gemaunzt, aber wehe, ich hab sie in die Kiste gesetzt, dann wurde das Geschrei richtig groß!)

+++++++++

Mission accomplished!

Als abendliches Update kann ich vermelden, dass ich die Katzenbabies - zusammen mit einer Spende - vorhin in gute Hände abgegeben habe. Ich durfte mit in die Wohnung, es gibt ein eigenes Katzenzimmer! Gern hätte ich ein Foto gemacht, aber das wollte sie nicht.

https://www.instagram.com/maison_pour_miaou/

(Lasst Euch nicht täuschen von den Model-Fotos. Ich habe sie als eine anpackende, emanzipierte Frau mit Zopf und Brille kennengelernt.)

So eine kleine Person mit so einem großen Herzen!



Tag 20+21: Ausklang

 Die letzten Stunden meiner Senegalreise sind angebrochen. Schon gestern warf der Rückflug seine Schatten voraus - ich wurde zum Check-in au...